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Die Geschichte des Philippinischen Not- und Partisanengelds im II. Weltkrieg
Ein Vortrag von Dr. H.-W. Thiede (Berlin) während des Sammlertreffens am 08.04.2006
in Zeuthen bei Berlin.

Die Philippinen - ein gebirgiger Archipel von 7107 Inseln im westlichen-tropischen Teil des Stillen Ozeans, ca. 800 km vor der Süd-Ost-Küste Asiens gelegen - umfassen eine Fläche von insgesamt 300 780 km2. Die größten Inseln sind Luzon und Mindanao. Die Bevölkerung hat ca. 50 Millionen Einwohner und es gibt mehr als 70 ethnische Gruppen. Die Hauptstadt ist Manila (8,5 Millionen Einwohner), die Währung 1 Philippinischer Peso = 100 Centavos.
1521 nahm Ferdinand Magellan die Inseln für Spanien in Besitz. 1762 okkupierten die Briten die spanische Kolonie, welche aber 1763 wieder an Spanien zurückgegeben wurde. 1898 fiel die spanische Kolonie mit dem Ende des Spanisch-Amerikanischen Krieges an die USA.

Seit 1946 (4.7.) sind die Philippinen eine unabhängige Republik. Zu Beginn des II. Weltkrieges bestanden die Philippinen aus 49 Provinzen.

Das imperialistische Japan verfügte bei Beginn seiner Aggressionen in Südostasien und im Pazifik zeitweilig über eine Reihe militärischer Vorteile. Diese Vorteile, die mit militärischen Anfangserfolgen verbunden waren, beruhten vor allem auf der hinterlistigen Überraschungsstrategie. Der strategische Plan des kaiserlichen Hauptquartiers vom 15.11.1941 sah vor, die in Pearl Harbor auf Hawaii stationierte amerikanische Pazifikflotte schlagartig auszuschalten und durch blitzartige militärische Operationen die reichen Rohstoffgebiete Südostasiens zu erobern.

Am 7.12.1941 wurde Pearl Harbor von den Japanern ohne Kriegserklärung angegriffen und ein großer Teil der Pazifikflotte vernichtet bzw. außer Gefecht gesetzt. Am gleichen Tag begannen auch verheerende Luftangriffe gegen die Philippinen. Am 8.12.1941 landeten die ersten Japaner auf den Philippinen und zwar auf Nordluzon. Ihnen folgten weitere auf einander abgestimmte Landeoperationen auf anderen Inseln der Philippinen. Am 2.1.1942 wurde die philippinische Hauptstadt durch die Japaner besetzt. Japanische Rundfunksendungen und Losungen riefen demagogisch die einheimische Bevölkerung zum gemeinsamen Kampf gegen die europäische und amerikanische Fremdherrschaft auf und versprachen den Völkern Südostasiens Freiheit und Unabhängigkeit. Bis Anfang 1942 besetzten die Japaner fast die ganze Inselgruppe, nur die Bataan-Halbinsel und die Inselfestung Corregidor konnten sich noch bis zum Frühjahr 1942 halten. Am 9.4.1942 kapitulierte Bataan, 76 000 Mann (darunter 2 000 Amerikaner) kamen in Gefangenschaft. Am 6.5.1942 musste auch die Inselfestung Corregidor bedingungslos, nach fünfmonatigem Kampf der japanischen Armee unter Führung von Generalleutnant Masahara Homnaa, sich dem Eroberer der Philippinen ergeben.

Dieser kurze historische Überblick erscheint notwendig, um die Geschichte des philippinischen Not- und Partisanengeldes besser verstehen zu können.

Im Frühjahr 1942 hatten die Amerikaner bei ihrem Abzug von den Philippinen die philippinischen Peso-Banknoten mitgenommen und das philippinische Silbergeld in der Bucht von Bataan ins Meer geschüttet, um zu verhindern, dass dieses Geld in japanische Hände fiel. Als der damalige Präsident der Philippinen, Quezon, Ende 1941 (29.12.1941) das Land verlassen musste, sah er schon die Schwierigkeiten, die sich aus dem Währungsproblem ergeben würden, voraus. Daher ermächtigte er seine Regierung in Cebu, die zeitweilige Hauptstadt des noch freien Teiles der Philippinen, für 20 Millionen Pesos behelfsmäßige Banknoten herauszugeben. Dieses Notgeld hatte den gleichen Wert wie das reguläre philippinische Geld (1 Dollar = 2 Pesos). Die ersten Notgeldausgaben waren zunächst nur legales Zahlungsmittel im noch unbesetzten Gebiet und zirkulierten zuerst nur im Ausgabegebiet und den angrenzenden Regionen, später wurden sie überall angenommen.

Die Japaner brachten nach der Eroberung der Philippinen 1942 eigenes Besatzungsgeld in Umlauf. Diese Noten tragen die Aufschrift: „The Japanese Government“ die Serienbuchstaben beginnen immer mit einem „P“ (Philippinen) und wurden in Stückelung zu 1, 5, 10, 50 Centavos-Noten und zu 1, 5, 10, 100, 500 und 1.000 Pesos-Noten emittiert. Diese Okkupationsnoten wurden von den Philippinos abwertend als „Micky-Maus-Geld„ bezeichnet. Als die Japaner mit dem Notgeld der Philippinen konfrontiert wurden, welches auf Veranlassung von Präsident Quezon gedruckt worden war, erklärte der japanische Oberbefehlshaber diese Zahlungsmittel zu feindlichen Militärnoten, welche keine Zahlungsfunktion haben. Vom militärischen Standpunkt mag diese Anordnung einen guten Sinn gehabt haben, denn mit der Ungültigkeitserklärung hofften die Japaner zu verhindern, dass die sich bildende Partisanenbewegung keine Lebensmittel oder Ausrüstungsgegenstände kaufen konnte. Außerdem führten die Notgeldserien auch zu einer Behinderung des von den Japanern herausgegebenen Militärgeldes.

Die beste offizielle Lösung wäre gewesen, die Notgeldscheine einzuwechseln. Aber dieses hätte die japanische Autorität untergraben.

Trotzdem hat es an Versuchen dieser Art nicht gefehlt. So wurden in Leyte 242.748,65 Pesos von 2.065.410 ausgegeben Pesos umgetauscht, desgleichen auf der Negros Insel für 443.781,55 Pesos von 4.660.980,00 ausgegebenen Pesos.

Bevor die Truppen der Vereinigten Staaten von Amerika auf der Halbinsel Bataan und auf der Insel Corregidor besiegt wurden, organisierte der Verteidiger der Philippinen General Mac-Arthur, welcher seit dem 27. Juli 1941 amerikanischer Oberbefehlshaber auf den Philippinen war, eine Partisanenbewegung gegen die Japaner. Als er die Philippinen verlassen musste, sprach er die legendären Worte: „Ich werde wiederkommen„. Mit diesen Worten entfachte er die Flamme des Widerstandes und seine Worte „ich werde wiederkommen„ wurden zum Schlachtruf der philippinischen Untergrundkämpfer. Es gab kaum eine Insel auf den Philippinen, wo sich keine Partisanengruppen bildeten. Die Partisanen saßen in den undurchdringlichen Wäldern in hohlen Bäumen und Höhlen. Sie wurden aktiv von der einheimischen Bevölkerung unterstützt und mit Lebensmittel versorgt. Für die Japaner waren sie praktisch nicht auffindbar, da ihr Aufenthalt nur den Einheimischen bekannt war. Die einzelnen Partisanengruppen standen über den „Buschfunk„ mittels Bambustrommeln dauernd in Verbindung. Im Herbst 1944 umfasste die antijapanische Widerstandsarmee mehr als 100 000 Kämpfer, die im Zusammenwirken mit der am 20.10.1944 auf Leyte gelandeten amerikanischen 6. Armee unter Kommando von General Mac Arthur eine entscheidende Rolle bei der Befreiung der Philippinen spielten. Während der Kämpfe um die Philippinen wurden von den Japanern das erste Mal in großem Umfang Kamikaze-Piloten gegen die amerikanischen Landungsflotten eingesetzt. Vom 20.10 bis zum 23.10.1944 kam es im Golf von Leyte zur größten Seeschlacht, die jemals stattfand.

Am 9.1.1945 erfolgte die Landung der US-Armee auf Luzon, am 24.2.1945 wurde Manila zurückerobert und am 5.7.1945 waren die Philippinen vollständig befreit. Die Japaner mussten die Rückeroberung der Philippinen mit 400 000 getöteten Soldaten bezahlen.

Am 2.9.1945 fand der Zweite Weltkrieg durch Unterzeichnung der Kapitulationsbedingungen auf dem Kriegsschiff „Missouri“ sein Ende.

Am 4.7.1946 erfolgte die Gründung der zweiten Philippinischen Republik. Die im Untergrund kämpfenden Partisanen hatten ihr eigenes Geld. Dieses ist heute recht selten. Die Finanzierung des Partisanenwiderstandes spielte eine wichtige Rolle im Kriege. Papiergeld wurde von den Partisanen in fast jeder Provinz der Philippinen ausgegeben. Es ist das Symbol des Widerstandes. Die große Zahl der ausgegebenen Noten zeigt, welchen Mut und welche Hoffnung die Philippinos, obwohl schlecht ausgerüstet und schlecht ernährt, für die Zukunft hatten. Meist wird das philippinische Notgeld in zwei große Kategorien aufgeteilt: die provinzialen und die städtischen Ausgaben. Hinzu kommt als dritte Kategorie noch das Partisanennotgeld.

Zwischen den Provinzialausgaben und den Städtischen Ausgaben gibt es wichtige Unterschiede, daher ist es notwendig, diese kurz zu erläutern:


Provinzialausgaben
(siehe Abbildungen):

Bald nachdem feststand, dass die Philippinen durch die Japaner besetzt werden würden, bevollmächtigte Präsident Quezon die in den einzelnen Provinzen sich bildenden Untergrundregierungen, eigenes Notgeld zu emittieren. Ausgegeben wurden diese Partisanennotgeldscheine in 30 verschiedenen Provinzen, Bezirken und Inseln. Hiervon gaben 22 Ausgabestellen die Noten mit Ermächtigung durch die Exilregierung heraus.

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Städtische Ausgaben
(siehe Abbildungen):

Die städtischen Ausgaben stellten kein Partisanengeld dar und wurden mit der Absicht herausgegeben, den Mangel an Kleingeld, welcher beim örtlichen Handel bestand, zu beheben. Die meisten städtischen Ausgaben stellten nur Kleingeldersatz dar, während die Provinzialnoten in höheren Nominalen ausgegeben wurden. Es sind 12 städtische Ausgaben bekannt. Sie wurden fast alle mit Billigung der Japanischen Dienststellen hergestellt und wurden nach dem Kriege, im Gegensatz zu den Provinzialausgaben nicht wieder gegen gültige Währung eingelöst.

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Hergestellt wurde das Partisanennotgeld (siehe Abbildungen) der Philippinen unter primitiven Bedingungen. Die Herstellung desselben stellt eine spannende Geschichte dar. Als Papier wurden benutzt: Einwickelpapier, Dienstformulare, Stimmzettel, Zeitungen und anderes Papier, welches gerade zur Verfügung stand. Vieles musste beim Druck improvisiert werden. Gedruckt wurde in einigen Fällen mit Metallplatten, häufiger aber wurden aus Holzblöcken solche Druckplatten geschnitten oder Gummistempel, welche aus alten Traktorenreifen geschnitten waren, zum Druck benutzt. Wenn möglich hatte man auch immer versucht, Fälschungssicherungen auf diesen primitiven Noten anzubringen. Viele Noten besitzen ein mit einem Gummistempel angebrachtes Randmuster, andere ein gedrucktes oder sind mit einem Trockensiegel und einer handschriftlichen Signatur versehen. Als Druckfarbe wurden meist Pflanzenfarbstoffe verwendet.

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Dieses Partisanengeld wurde weitverbreitet als legale Währung angenommen. Wurden diese Noten von den Japanern bei einem Philippino gefunden, so bedeutete dieses für den Besitzer meist den Tod.

Daher erforderte es großen Mut für die Einwohner der Philippinen, dieses Geld der Partisanen anzunehmen. Die japanischen Besatzungstruppen hatten den Befehl, dass jeder der im Besitz der von ihnen verbotenen Noten angetroffen wurde, nach erfolgter Folterung sofort zu töten sei. Umgekehrt wurde die Verweigerung der Annahme der Noten durch einen Philippino von den Partisanen als Zeichen der Zusammenarbeit mit den Japanern gewertet. Auf den Philippinen regierte während der japanischen Besetzung ein von der Besatzungsmacht abhängiges Marionettenregime. Kollaborateure hatten auf den Philippinen die seltsame Angewohnheit plötzlich zu verschwinden, das heißt, sie wurden von den Partisanen als Verräter hingerichtet.

Sowohl auf die eine als auf die andere Art stellten diese Noten für den Besitzer praktisch immer eine latente Todesgefahr dar.

Oft geschah es, dass ganze Dörfer wegen des Besitzes von nur geringen Mengen von Partisanengeld zerstört wurden. Es ist kaum übertrieben, wenn man heute sagen würde, dass das Partisanengeld nicht nur ein Zahlungsmittel, sondern auch ein Todesurteil darstellte. In der Tat wurden mehrere Tausend Todesurteile wegen des Besitzes von Partisanenbanknoten durch die japanischen Besatzungsbehörden ausgesprochen.

Es ist das große Verdienst des amerikanischen und philippinischen Staates, dass der größte Teil der genehmigten Provinzialausgeben nach dem Kriege wieder eingelöst wurde. Hierdurch erklärt sich auch die große Seltenheit vieler Partisanengeldausgaben.

Das erste Mal erfuhren Sammler Anfang 1947 durch einen Artikel von dem verstorbenen Gilbert S. Perez in dem „Numismatist“ etwas von der Existenz des Philippinischen Partisanengeldes. Die ersten Geldscheine dieser Art wurden 1945 von heimkehrenden amerikanischen Soldaten in die USA gebracht. Die erste und auch umfassendste Erforschung erfolgte durch den Amerikaner Shafer Neil, welcher auch den auf diesem Sektor umfassendsten Katalog herausgebracht hat.

Der Sinn diese Vortrages war, die Zuhörer mit dieser bei uns wenig bekannten und historisch interessanten Notgeldausgabe der Partisanen auf den Philippinen während des Zweiten Weltkrieges bekannt zu machen.

Zum Schluss möchte ich Herrn Dr. A. York, aus New York, für die aktive Unterstützung bei der Recherchierung der spärlich vorhandenen Fakten danken.


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