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Das Notgeld der Deutschen Reichsbahn und der Reichsbahndirektionen |
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Ein Vortrag von Georg Kiesewetter (Leipzig) während des Sammlertreffens am 23.09.2006 in Zeuthen bei Berlin.
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1 Allgemeines
Die Weimarer Reichsverfassung vom 11.08.1919 bestimmte in Artikel 171, dass durch Übernahme der Ländereisenbahnen eine einheitliche Reichsbahnverwaltung zu schaffen ist.
In Realisierung dieses Verfassungsauftrages wurden durch das Gesetz vom 30.04.1920 betreffend den Staatsvertrag über den Übergang der Staatseisenbahnen auf das Reich mit Wirkung vom 01.04.1920 die bisherigen Ländereisenbahnen von Baden, Bayern, Hessen, Mecklenburg, Oldenburg, Preußen, Sachsen und Württemberg zur Deutschen Reichsbahn zusammengefasst.
Nach preußischem Muster wurden als mittlere Verwaltungsbehörden 30 Reichsbahndirektionen eingerichtet.
Die Reichsbahndirektionen entstanden für
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- Preußen und Hessen in Altona, Berlin, Breslau, Elberfeld, Erfurt, Essen, Frankfurt a.M., Frankfurt a.O. (Osten), Halle, Hannover, Kassel, Kattowitz, Köln, Königsberg, Magdeburg, Mainz, Münster, Stettin und Trier
- Baden in Karlsruhe
- Bayern in Augsburg, Ludwigshafen, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg
- Mecklenburg in Schwerin
- Oldenburg in Oldenburg
- Sachsen in Dresden
- Württemberg in Stuttgart
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Als 1922 Ost-Oberschlesien an Polen abgetreten wurde, wurden die verbleibenden Teile des Reichsbahndirektionsbezirkes Kattowitz zur Reichsbahndirektion Oppeln zusammengefasst.
Die 1920 geschaffenen Reichsbahndirektions-Bezirke stimmten vielfach nicht mit den Länder- und Provinzgrenzen überein. Bei der Aufteilung der Bezirke orientierte man sich in erster Linie an den Eisenbahnstrecken.
Der erste Reichsbahnpräsident wurde Groener. Ihm folgte ab 13.08.1923 im Kabinett Stresemann Dr.Oeser.
Die Unterschriften beider Reichsbahnpräsidenten sind auf den Notgeldscheinen der Deutschen Reichsbahn Berlin mit der Funktionsbezeichnung „Reichsverkehrsminister“ zu finden.
2 Zu den Notgeldausgaben
2.1 Fast alle Notgeldausgaben der Deutschen Reichsbahn gehören in die Großgeldperiode der Hochinflation 1923. In den Notgeldperioden vor der Großgeldperiode gibt es lediglich
- 2 Großgeldausgaben von 1918 und
- 1 Kleingeldausgabe von 1920
Notgeld von 1914 und Seriennotgeld hat die Deutsche Reichsbahn nicht herausgegeben.
Die 2 Großgeldausgaben von 1918 stammen von Vorläufern späterer Reichsbahndirektionen und zwar der
- Königlichen Eisenbahn-Direktion Elberfeld (Preußen) zu 20,- und 100,- Mark
- Eisenbahn-Direktion Halle zu 20,- und 50,- Mark
Die Scheine von Halle haben kein Ausgabedatum. Sie verloren ihre Gültigkeit erst am 20. Mai 1919.
Aus der gesamten Kleingeldperiode 1915 - 1922 gibt es nur die Ausgabe der Eisenbahndirektion Kattowitz. Die Scheine tragen das Datum vom 27.05.1920, also nach der Gründung der Deutschen Reichsbahn. Die Ausgabestelle ist aber noch nicht als Reichsbahndirektion bezeichnet worden.
Es existieren 5 Scheine zu 1,2,5,10 und 50 Pfg.
Es handelt sich nicht um ein von der Eisenbahndirektion selber für ihren ganzen Amtsbezirk emittiertes Notgeld.
Es wurde den ihr unterstellten Stationskassen zur Benutzung als Wechselgeld zur Verfügung gestellt.
2.2 Neben diesen Scheinen der Perioden vor der Großgeldperiode 1923 gibt es noch 2 Ausgaben des Reichsverkehrsministers, die zur Periode des wertbeständigen Notgeldes gehören.
Die erste Ausgabe stammt vom 23.Oktober 1923. Die Scheine tragen die Bezeichnung wertbeständige Anteilscheine. Die zweite Ausgabe wurde am 07.11.1923 herausgegeben mit der Bezeichnung „Wertbeständiger Geldschein“. Diese Ausgabe enthält alle Wertstufen des wertbeständigen Notgeldes, also von 0,42 Mark Gold bis 21 Mark Gold. Die höheren Wertstufen von 8,40 und 21 Mark kommen bei allen Ausgabestellen des wertbeständigen Notgeldes äußerst selten vor.
2.3 Von der Notgeldperiode 1945/1948 gibt es Ausgaben der Eisenbahndirektion Mainz (Rheinland/Pfalz) und der Eisenbahndirektion Trier vom 16.06.1948 zu 10 und 50 Pfg, von denen die Scheine zu 50 Pfg äußerst selten sind.
2.4. Wie ich bereits erwähnte, ist der überwiegende Teil der Notgeldausgaben der Deutschen Reichsbahn in der Großgeldperiode der Hochinflation emittiert worden.
Nachdem Ende Juli/Anfang August 1923 der Wert der Mark rapide abgesunken war, entstand im gesamten Reichsgebiet ein noch nie dagewesener Mangel an Zahlungsmitteln. Die Reichsdruckereien und die vielen an der Herstellung der Reichsbanknoten beteiligten Privatdruckereien konnten den Bedarf an Papiergeld nicht befriedigen. Überall entstand aus der Not heraus neues Notgeld, das teilweise nach dem Gesetz vom 17. Juli 1922 genehmigt war, teils aber ohne Einhaltung der Genehmigungsformalitäten ausgegeben wurde. Auch im Bereich der Deutschen Reichsbahn, einer der größten Betriebe im Reichsgebiet, musste Ersatzgeld geschaffen werden, um die beträchtlichen zur Aufrechterhaltung des Betriebes erforderlichen Barmittel bereitstellen zu können.
Die Reichsbahndirektionen gaben seit Ende Juli 1923 mit Ausnahme von 11 Direktionen Notgeldausgaben heraus. Die früheste Emission stammt mit Datum vom 29.07.1923 von der RBD Hannover.
Keine Ausgaben erfolgten von den RBD
- Berlin (hier reichte die Gesamtausgabe der Deutschen Reichsbahn)
- Essen, Mainz, Oldenburg, Schwerin und Trier sowie den
- bayrischen Direktionen Augsburg, Ludwigshafen, München, Nürnberg, Regensburg und Würzburg
Diese wurden von der Zweigstelle Bayern des Reichsverkehrsministeriums aus versorgt.
Seit Ende August 1923 brachte das Reichsverkehrsministerium als Zentrale der Deutschen Reichsbahn eigenes Notgeld in Umlauf beginnend mit der Wertstufe 1 Million.
Anfang September 1923 erließ das Reichsverkehrsministerium die Anweisung, Gutscheinausgaben durch die RBD nach Möglichkeit einzustellen. Es hoffte, dass die Notgeldausgaben des Ministeriums
zur Deckung des Bedarfes ausreichen würden. Aber die galoppierende Inflation machte weitere Ausgaben der Reichsbahndirektionen erforderlich.
Insgesamt gab es 20 Ausgabestellen innerhalb der Deutschen Reichsbahn und zwar
- 18 Ausgabestellen von den Reichsbahndirektionen
- 1 Ausgabestelle als Reichsverkehrsministerium
- 1 Ausgabestelle als Zweigstelle Bayern des Reichsverkehrsministeriums
- ------
- 20 Ausgabestellen zusammen
Reichsverkehrsministerium Zweigstelle Bayern, Zehn Milliarden, 26.10.1923
Schwerpunkte der Notgeldausgaben lagen einmal im Bereich der niederen Millionen-Werte (August 1923) und der höheren Milliarden- und Billionen- Werte (Ende Oktober/Anfang November). Das Notgeld der Zentrale der Deutschen Reichsbahn (Reichsverkehrsministerium) wurde während der Hochinflation im ganzen Reich ausgegeben. Es lief aber auch in den besetzten Gebieten an Rhein und Ruhr um.
Von allen Notgeldausgaben hat es für den Zahlungsmittelumlauf der Inflationszeit die größte Bedeutung erlangt.
Es stellt eine nahezu geschlossene Reihe aller im Laufe der Geldentwertung notwendig gewordenen Wertstufen von 1 Million bis 20 Billionen dar. Lediglich die Werte von 2 und 5 Milliarden wurden nicht ausgegeben.
Die höheren Nominale ab 10 Milliarden blieben auch nach der Stabilisierung der Währung länger im Verkehr als sonst. Sie wurden erst am 16.06.1924 ungültig. Die wertbeständigen Ausgaben konnten sogar noch bis zum 15.10.1924 eingelöst werden. Dass das Reichsbahn - Notgeld noch bis zum 15.06.1924 umlauffähig bleiben konnte, spricht für die Sonderstellung, die ihm allgemein eingeräumt wurde.
Der Geltungsbereich der Notgeldscheine der Reichsbahndirektionen ist im wesentlichen auf den Dienstbezirk beschränkt gewesen. Darüber hinausgehende Absprachen, wie sie vom örtlichen Notgeld bekannt geworden sind, konnten nicht nachgewiesen werden.
Die Siegelabdrucke auf Scheinen einiger Reichsbahndirektionen zeigen die Ordnungsnummern der Direktionen, so Hannover mit der 12, Karlsruhe mit der 13 oder Köln mit der 15.
Der Zeitdruck, unter dem sich die Notgeldausgaben abspielten, zeigt sich einmal in der meistens recht einfachen Ausführung der überwiegend einseitig gedruckten Scheine. Zum anderen in der Verwendung unterschiedlichen Wasserzeichenpapiers, vielfältiger Zählwerke und mitunter wechselnder handschriftlicher Unterschriften für ein und dieselbe Emission.
Künstlerisch sehr ansprechend sind z.B. die Scheine der Reichsbahndirektion Stuttgart:

Einige Scheine der Reichsbahndirektionen Elberfeld und Stettin sind dagegen nach einer handschriftlichen Vorlage gedruckt bzw. hektographiert:

Die Mehrheit der Scheine der Deutschen Reichsbahn kommt sehr häufig vor. Nach Beendigung der Inflation und nach der Außerkurssetzung des Notgeldes sind von den meisten Ausgabestellen größere Restbestände an Sammler und Händler abgegeben worden, so dass im Gegensatz zu den Reichsbanknoten auch die höheren Reichsbahnscheine bis zu 20 Billionen erreichbar sind.
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